GLB Eichen-Hainbuchenwald

Der „Geschützte Landschaftsbestandteil“ Eichen-Hainbuchenwald ist eine ganz besondere Dornröschen-Perle der Kraillinger Waldnatur!

Nie gehört, nie gesehen?

1983 wäre der Eichen-Hainbuchenwald um ein Haar bebaut worden, der Gemeinderat hatte bereits alles genehmigt!
Das Kraillinger Naturschützer-Ehepaar Gisela und Xaver Zacherl sowie Frau Sophie Thurner – alles (teilweise leider bereits verstorbene) Mitglieder der Ortsgruppe des BUND Naturschutz Krailling – haben damals zum Glück gemeinsam mit vielen weiteren Mitstreitern erfolgreich für die Bewahrung und den Schutz des Eichen-Hainbuchenwalds gekämpft:
Das ca. 4 Hektar große Waldstück wurde 1987 zum „Geschützten Landschaftsbestandteil“ (GLB) erklärt.

Der „Geschützte Landschaftsbestandteil“ Eichen-Hainbuchenwald befindet sich am nördlichen Ortsrand von Krailling, zwischen der Rudolf-von-Hirsch-Straße und der S-Bahn-Trasse.
Er ist im Besitz des Guts Planegg des Baron von Hirsch, ist also Privatwald.
Kurz vor der Ausweisung zum GLB wurden noch einige Stark-Eichen gefällt. Seitdem ist der Eichen-Hainbuchenwald in einen Dornröschen-Schlaf gefallen, der ihm aus Naturschutz-Sicht sehr gut getan hat.
Schon damals in den 80er Jahren hat man diesen Wald als ideale Erweiterungsfläche für den Klosterwald Maria Eich gesehen. Beispiel-Fotos ganz unten auf dieser Seite

Der Geschützte Landschaftsbestandteil „Eichen-Hainbuchenwald“ ist reich an ökologisch sehr wertvollen sogenannten „Mikrohabitatstrukturen“, also wertvollen kleinen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen, Beispiele s. weiter unten.
Hier ein kleiner Text von der Naturschützerin Gisela Zacherl von 1996 über den Eichen-Hainbuchenwald.
Gisela Zacherl über den Eichen-Hainbuchenwald aus Eisvogel und Aronstab 1996 Auszüge

Er ist ein kostbarer Lebensraum für viele Tiere:

Vögel, z.B.:

Waldlaubsänger noch in den 90ern nachgewiesen, danach hat niemand mehr diesbezüglich nachgeschaut.

Jetzt noch nachweislich vorhanden:

Schwarzspecht (Dr. Knut Neubeck sah ihn während einer Begehung fliegen)
Grauspecht (rief zB an Gründonnerstag 2018 im nordwestlichen Teil des Eichen-Hainbuchenwalds sitzend laut und ausdauernd, geradezu „lehrbuchmäßig“) 
Buntspecht sehr zahlreich

Zaunkönig
Schwanzmeise
Kleiber, Buchfink, Rotkehlchen, Blaumeise, Kohlmeise, Singdrossel etc. sehr zahlreich

Fledermäuse, z.B:

Langohr Den Aufzeichnungen eines Batcorders zufolge muss sich ein Langohr-Quartier im Eichen-Hainbuchenwald befinden.
Abendsegler
 Zwergfledermaus

Insekten, z.B.:

Großer Wollschweber

Die Ergebnisse einer 2018 später im Jahr begonnenen und durchgeführten Käfer-Kartierung liegen zum jetzigen Zeitpunkt (Ende Okt. 2018) noch nicht vor.

Foto einer Langohr-Fledermaus, hochgeladen mit freundlicher Erlaubnis des Bildautors © Michael Kunkel

Das Problem beim Genehmigungsverfahren für die Seniorenresidenz:
Es wird nur auf die für die Rodung vorgesehenen 5000 m2 Wald geblickt.
Dieser Wald ist momentan noch vergleichsweise jung. Dann heißt es: junger, wertloser Wald, kann weg, er wird stattdessen ja eh woanders wieder gepflanzt, wo ist das Problem?
Es wird die Biotopverbundbedeutung des Waldstücks und die Beeinträchtigung des Eichen-Hainbuchenwalds völlig außer Acht gelassen.
Der Blickwinkel sollte vielmehr sein:
Nimmt der Biotopverbund zwischen dem Klosterwald Maria Eich und dem Eichen-Hainbuchenwald Schaden?
Wird der wertvolle Eichen-Hainbuchenwald durch das Bauprojekt beeinträchtigt?

Dies ist leider der Fall!


Wertvolle Mikrohabitatstrukturen = wichtige Naturwaldstrukturen für die Biodiversität
im Eichen-Hainbuchenwald:

z.B.:
Bäume mit Baumschwämmen
Bäume mit Kronenbruch
Stammbruch am lebenden Baum und Ersatzkronenbäume
Specht- und Asthöhlen
Ausgehölte Stämme
Höhlen mit Mulmkörper
Höhlenetagen
Rindentaschen
Kletterpflanzenbäume
Wassertöpfe (Dendrotelme)
Krebsbildungen und Maserknollen
Bäume in Schrägstellung
Wurzelteller
stehendes und liegendes Starktotholz
stehendes und liegendes dünneres Totholz
Lebende Bäume mit Totholzstrukturen  usw usf… Beispiel-Fotos s. unten!


Immer wieder wird der Vorwurf erhoben, die Bewohner der Vogel-Siedlung westlich der S-Bahnlinie von Krailling hätten kein Recht, sich gegen das geplante Seniorenwohnen zu engagieren, schließlich wohnten sie selber auf der Fläche eines zerstörten Eichen-Hainbuchenwalds.
Die Ausweisung des Baugrunds und die Waldzerstörung damals in den 60er Jahren war definitiv ein schlimmer, naturzerstörender Fehler! Ein weiterer Fehler war der Bau des Caritas-Altenheims in Insellage im Außenbereich der Gemeinde Krailling!
Beide Fehler hat die Gemeinde Krailling damals begangen.
Der jetzige Eichen-Hainbuchenwald ist in der Tat nur ein kleiner Rest der einstigen Pracht.
Den Bewohnern der Vogelsiedlung Doppelmoral oder keine echten Naturschutz-Motive zu unterstellen, ist absurd.
Warum engagieren sich überwiegend die Bewohner der Vogel-Siedlung gegen das Projekt?
Als Anwohner sind sie oft in dem betroffenen Gebiet unterwegs und kennen es daher viel besser als Kraillinger, die nur selten einmal dorthin gelangen.
Kennt man das Gebiet, so erkennt man seine Bedeutung auch viel leichter und besser.
Kennt man seinen Wert, so möchte man ihn für die zukünftigen Generationen bewahren!


Impressionen aus dem Eichen-Hainbuchenwald:

Herbststimmung

 

Prächtige Esche mit Brusthöhendurchmesser (BHD) 80 cm:

Wurzelteller einer umgestürzten alten Hainbuche, idealer Ort für u.a. manche Arten von Solitärbienen:

Die umgestürzte alte Hainbuche = sehr wertvolles Totholz mit großem Durchmesser. Der unregelmäßig gefurchte Stamm bietet auf der Oberseite ideale „Wassersammelstellen“, kleine Tränken für Tiere.

Zwischen den Kronen-Ästen der umgestürzten Hainbuche wächst diese herrliche Biotop-Birke mit vielen Spechtlöchern. Über dieser Lichtung jagen abends gerne Fledermäuse wie die Zwergfledermaus.

Eine alte Hainbuche mit Krebsgeschwür und Totholzanteilen in der Krone = ein sehr wertvoller Biotopbaum mit vielen sog. „Mikrohabitatstrukturen“

Eine Hainbuche zwischen zwei Eichen

Alte Hainbuche in Schrägstellung

 

Fotos: Silvia Roelcke