Seniorenwohnen im Wald

Eine Modellzeichnung des geplanten Wohnprojekts „Seniorenwohnen“ am Caritas-Altenheim „Maria Eich“ ist auf der Webseite des beauftragten Architekten Hans Wechner zu finden: https://www.wechner.org/
(Es ist das Bild mit den Fichten im Hintergrund. Eigentlich sind hinter der geplanten Rodungsfläche kaum Fichten zu finden)
Aus Gründen des Copyrights wird hier kein kopiertes Bild eingestellt.

Für das geplante Seniorenwohnen-Bauprojekt müssen südlich des Caritas-Altenheims „Maria Eich“ 5000 qm Bannwald gerodet werden.
Diese 5000 qm Wald sind als Bannwald und außerdem auch als Erholungswald Stufe 1, als Klimaschutzwald und als Landschaftsschutzgebiet geschützt.
Er befindet sich in großer Nähe zum besonders kostbaren Klosterwald Maria Eich und in unmittelbarer Nähe zum sehr wertvollen Eichen-Hainbuchenwald, der als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ geschützt ist.


Wie kommt die Gemeinde Krailling auf die Idee, im Außenbereich mit Bauverbot angrenzend an das bereits vorhandene Caritas-Altenheim in Insellage mitten im Wald ein Seniorenwohnen-Bauprojekt zu planen?

Schuld daran ist das sogenannte „ROEK“ – Planungskonzept = „Raumordnerischen Entwicklungskonzept München Südwest“ von 2014. Darin wurden 4 verschiedene Zukunftszenarien erarbeitet. „Das Raumordnerische Entwicklungskonzept soll die Kommunen des Würmtals dabei unterstützen, ihre räumliche Entwicklung stärker als bisher auf der Grundlage von gemeinsam erarbeiteten Zielen, Szenarien und Maßnahmen zu lenken.“
Um jede S-Bahn-Station wurde kurzerhand pauschal ein Zirkelschlag mit einem Radius von 600 Metern gemacht, und diese Kreisfläche  wurde als „prioritärer Siedlungsbereich“  für die „urbane Innenverdichtung“ deklariert. Von der S-Bahn Station Planegg zum Rand der nördlichen Drosselweg-Bebauung sind es genau 600 Meter!
Der Wallfahrtsort und der Klosterwald Maria Eich als Kernfläche für „urbane Innenverdichtung“, als „prioritärer Siedlungsbereich“? Was für ein Unsinn!
Doch die Gemeinde Krailling war von dieser Idee sehr angetan und erkundigte sich 2015 bei der Regierung von Oberbayern, wie die Chancen für eine Genehmigung stünden. Leider hatte die zuständige Dame der Reg. v. Obb. keine ausreichende Kenntnis über die naturschutzfachliche Bedeutung des Klosterwalds Maria Eich und der umliegenden Waldgebiete, und sie signalisierte „grünes Licht“.  Dieser Brief wurde von der Gemeinde nicht ins Internet eingestellt, doch er kann in der Gemeinde eingesehen werden.
Hier eine Abschrift des Briefs:
wörtl Inhalte Brief Fr Merz Regierung v Obb an Gem Krailling Hr Mayer 18-12-2015

Mehr zum ROEK hier, auch die Pläne mit den Kreisen um die S-Bahn-Stationen!  http://www.bi-bannwald-krailling.de/roek/

Auf die Natur von Planegg und Krailling wurde bei den ROEK-Planungen keine Rücksicht genommen.
Der Wert der von den Planungen bedrohten Natur war damals zudem noch bei weitem nicht ausreichend bekannt.

Zum Glück wurde 2015 der Klosterwald Maria Eich im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) München Land  auf seltene Arten hin untersucht. Die Ergebnisse waren spektakulär. Nicht zuletzt, das war die große Sensation, wurden 8 vom Aussterben bedrohte Urwald-Reliktarten-Käfer gefunden!

Die Ortsgruppe Krailling des Bund Naturschutz organisierte zwei Vortragsveranstaltungen mit Dr. Rudolf Nützel,  Forstsachverständiger und Geschäftsführer des BN München, der erläutert, wie schützenswert der Wald dort ist:

„Erhaltung des Erholungswalds oder Angriff auf Maria Eich und den Bannwald?“  (Vortrag am 17.03.2017)
https://starnberg.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/starnberg/downloads/OG-Krailling/Vortragsfolien_Dr_N%C3%BCtzel_Krailling_17-3-2017.pdf

„Vernetzungspotentiale des Biodiversitätsprojekts Maria Eich auf dem Gebiet der Gemeinde Krailling“
(Vortrag am 7.2.2018)
https://starnberg.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/starnberg/downloads/OG-Krailling/Vortragsfolien_Dr_Nuetzel_Krailling_7.2.18.pdf

Weitere Stellungnahmen und Gutachten etc. auf dieser Unter-Seite:
http://www.bi-bannwald-krailling.de/vortraege-gutachten-stellungnahmen/


Die Gemeinde Planegg  will zum Glück von „prioritärer Siedlungsbereich“ für eine „urbane Innenentwicklung“ westlich der S-Bahn-Haltestelle nichts wissen. Die Gemeinde Krailling hingegen möchte in dem vorgeschlagenen Bereich gerne Bauprojekte realisieren. Den Anfang macht dabei das Bauprojekt „Seniorenwohnen“ am Caritas-Altenheim „Maria Eich“. Das Bauprojekt im Eichenkorridor östlich des Paula-Anders-Wegs wurde nach Protesten vorerst zurückgestellt.
Da Planegg KEINE „Entwicklung“ des so wertvollen Klosterwalds Maria Eich betreibt und diese Naturzerstörung auch nicht zu tun gedenkt, bleibt die „urbane Innenentwicklung“ auf der westlichen Fläche im 600-m-Umkreis um die S-Bahn-Station Planegg Wunschdenken. Was Krailling durchführt, ist die Urbanisierung seines Außenbereichs, angrenzend an den Klosterwald Maria Eich. Dies jedoch führt den Grundgedanken des Regionalentwicklungskonzept ad absurdum!

Bäume im zur Rodung und Bebauung vorgesehenen Bannwald:
Eine sehr schöne Eiche, zwar noch kein „Methusalem“, aber bereits sehr schön gewachsen!

Eine sehr schöne zukünftige Biotop-Buche mit vielen Seitenästen und einem Brusthöhen-Durchmesser (BHD) von bereits 40 cm:


Herbststimmung im Eichen-Hainbuchenwald

alle Fotos: Silvia Roelcke